Corona-Geburtstag mit Viko-Brunch, Friedhofsblumen und Faltencreme

Geburtstage sind nicht so mein Ding. Waren es noch nie. Was aber passiert eigentlich, wenn man an Corona-Ostern mit Ausgangbeschränkung das eigene Geburtsjubiläum begehen soll? Die Antwort: Es wurde gefühlt einer der schönsten Geburtstage überhaupt!

Die anfängliche Bestürzung darüber an Ostern nicht in die alte Heimat fahren zu können, um Familie und Freunde zu besuchen, war groß. Auch der Gedanke an einen Geburtstag alleine in den eigenen vier Wänden. Da wird man 38, hat weder Kind noch Kegel und darf nicht mal unter Freunden sein. Da scheint die Krise vorprogammiert. Also dachte ich mir: Okay, jetzt will ich erst recht einen wundervollen Geburtstag haben!

Heute kann es regnen, stürmen oder schneien…

Mit all den positiven Vorsätzen für diesen Tag schwinge ich gegen 7.30 die Beine aus dem Bett, dusche und schrubbe mich ordentlich ab, damit die Haut für meine 38 ziemlich rosig amutet. Dazu trällert mir Stevie Wonder sein Happy Birthday in voller Lautstärke. Check! Die erste Whatsapp schreibt mein Vater um Punkt 8 Uhr mit den Worten: Schau doch mal vor die Türe! Vor die Türe? Ähm, ok: Davor steht ein Riesenblumenbouquet (und ich meine wirklich riesig), im Auftrag meiner Eltern von meiner Lieblingsnachbarin besorgt. Vom Friedhofsgärtner. Weil es sonst aktuell nirgends welche gibt. Corona sei Dank! Mir egal, ich freue mich tierisch und sie zieren jetzt meine auf Frühling herausgeputzte Terasse. Dazu gibt es ein Osterkörbchen mit allerlei gesunden Leckereien. Mit 38 braucht man ja schon einmal die extra Portion Vitamine 😉 Während gegen 9 Uhr 30 mein Family-Video-Geburtstagsbrunch in vollem Gange ist, packe ich das Paket meiner Mutter aus, das sie mir eigens für meinen Ehrentag geschickt hat. Ich betone: Meine Mutter liebt es mir Pakete zu schicken. So konnte es schon mal vorkommen, dass ich während meiner Studienzeit in England plötzlich ein Paket mit Bademantel und Hausschlappen erhielt, weil sie der Meinung war, ich hätte all das in Deutschland vergessen. Nun aber zurück zu meinem Geburtstagspäckchen: Neben neuen Handtüchern und Waschlappen (wie immer), einem Kosmetiktäschen (wie immer), Servietten mit hübschen Frühlingsmotiven (auch wie immer) und einer Tüte Gummibärchen und Studentenfutter (wie immer eben), erhalte ich dieses Jahr das erste Mal folgendes: Faltencreme für den Tag, Faltencreme für die Nacht, Augenserum zur Reduzierung von Fältchen und last but not least ein gebackenes Osterlamm! Ich freue mich über alle Geschenke, insbesondere, dass man mir das Gefühl gibt jetzt endlich im reiferen Alter angekommen zu sein. Macht mir nix, denn ich fühle mich fitter und besser denn je, bin es auch und die paar Falten, drauf geschissen. An denen kann man wenigstens erkennen, dass ich mein Leben bis dato ordentlich gelebt und mir zwischendurch den einen oder anderen Gedanken gemacht habe wenn ich die Stirn in Falten lege.

Mit Gehmeditation durch den Wald

Da ich seit ich im Home-Office arbeite und Ausgangsbeschränkungen gelten grundsätzlich einmal am Tag Rad fahre, laufe oder im Wald spazieren gehe, mache ich das heute auch zwischen Video-Frühstücksbrunch und Video-Kaffeeklatsch. Das Wetter ist perfekt, der Himmel blau, die Radwege voll. Klar, Ostersonntag und Corona zusammen, da will man schon mal an die frische Luft. Nichts desto trotz suche ich mir einen kleinen Waldpfad abseits des Weges und höre nebenbei meine Meditation. Wirklich aber WIRKLICH jeden einzelnen Tag seit ich diese Routine entwickelt habe frage ich mich: Warum erst jetzt? Warum braucht es dafür Corona? Manchmal ist der Mensch einfach bescheuert. Das laufen tut gut, ich verdaue mein Frühstück und mache mich bereit für die Schlachtung meines Biskuit-Osterlämmchens. Nach einer weiteren Runde Geburstags-Video-Action bin ich platt und dankbar gleichermaßen. Corona-Oster-Geburtstage können auch schön sein, wenn man sie sich schön macht.

Eine Frage der Einstellung

Am Abend hänge ich weiter am Hörer und bin gegen 20 Uhr so leer gequasselt, dass ich meine Spargel-Pfannkuchen auf Ostermontag verschiebe. Während ich gegen 22 Uhr diesen Tag beschließe ist mir folgendes bewusst geworden: Ich nahm mir vor trotz allem einen schönen Geburtstag zu haben. Ich tat alles dafür, dass es auch so war. Ich kümmerte mich um mich selbst, meine Liebsten waren zugeschaltet und ich einfach nur dankbar – irgendwie noch mehr als sonst. Mit wenig Aufwand kann man innendrin viel Positives erreichen. Man muss sich nur bewusst dafür entscheiden.

Während die Faltencreme einzieht, schlüpfe ich in meine Schlafshorts und summe Stevie Wonder vor mich hin. Ach war das schön. Thank you universe. See you tomorrow in alter Frische.

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