Zwischentage: Sommer, ich vermisse dich!

Es sind diese Tage dazwischen. Der Sommer ist verflogen, der Herbst liegt in der Luft, ist aber noch nicht ganz da. Dann kommt es ganz leise hervorgekrochen, dieses Gefühl der Sehnsucht, des Vermissens lauer Sommernächte, barfuss laufend, während die sommerliche Hitze mein Herz erwärmt. Ganz deutlich spüre ich es wenn ich wie an diesem Morgen zum allerersten Mal nach vielen heißen Monaten wieder in dicken Socken in meine Sneakers steige. Mein Herz zieht sich zusammen und just in dem Moment ist das Gefühl ganz deutlich: Sommer, ich vermisse dich!

In jeder neuen Zwischenzeit ist es das Gleiche: Ich denke ich bin vorbereitet auf die kältere Jahreszeit, auf gestrickte Wollpullis, dicke Mäntel, Mütze und Regenschirm und dennoch erwischt es mich jedes Jahr eiskalt aufs Neue. Warum ist das so? Hat sich der Körper so sehr an diese wohlige Temperatur da draußen gewöhnt, dass er sie jetzt schmerzlich vermisst und in mir dieses Gefühl auslöst? Ich meine es ist auch mal wieder, wie so oft im Leben, ein Akt des Loslassens, des sich Einstellens auf etwas Anderes, das altbekannt und doch immer wieder neu zugleich ist. Zumindest verhalten sich Körper und Geist so: „Hilfe, nein es ist kalt. Ich will nicht aus dem Bett aufstehen und in meine zig Klamottenschichten steigen. Und nach draußen in den Regen schon dreimal nicht!“ Man wehrt und windet sich und motzt und meckert über dieses ekelhafte Neu-Herbstwetter und will alles aber nicht mehr raus. Dieser ganze Zustand hält meist so knapp 14 Tage bis eines schönen Tages plötzlich die Sonne blinzelt und die frische, klare Herbstluft zum Fenster hereinweht, die Blätter an den Bäumen in all ihren bunten Farben im Wind tänzeln und man sich plötzlich so eingekuschelt fühlt: In diesen Wollpullover, der gar nicht mehr juckt und die Vorfreude auf all die bunten Lichter steigt, in der nun ach schon wieder nahenden Weihnachtszeit.

Genau dann sind sie überstanden: Die Zwischentage, die nicht Sommer und nicht Herbst sind aber alles erdenkliche dazwischen, was ich nicht haben möchte. Und ich denke an „Zwischenzeiten“ im Leben, die auch mehr kratzen und stören, als dass sie einem wohlgesonnen sind. Man hängt noch irgendwie am alten, vertrauten, gewohnten Leben aber das neue ist noch so weit entfernt, dass man es einfach nicht erkennen kann. Egal wie man sich reckt und streckt, Augen und Ohren auf vollen Empfang stellt, man sieht nichts soweit das Auge reicht. Obwohl man aus Erfahrung weiß, wenn etwas Altes auch oft schmerzlich vergeht, etwas Neues kommt garantiert. Es ist jedes Mal die gleiche Angst in dem Moment des Übergangs, diese Ungewissheit, die einem den Schlaf raubt und die Tage so zäh erscheinen lässt. Man weiß es ganz genau und dennoch fühlt es sich jedes Mal wieder an wie das erste. Es ist die Natur der Dinge, des Seins, des Universums, die uns lehrt wie diese Welt funktioniert. Wir müssen einfach nur ganz genau beobachten und lernen. Denn die Blätter, die gerade so bunt und schön durch den Wind fliegen, werden bald tot von den Bäumen fallen. Ende. Aber ganz gewiss, es kommen neue, grüne und saftige nach, nämlich dann, wenn die Zeit gekommen ist. Und so heißt es in den Zwischenzeiten durchhalten, sich zu besinnen auf den Lauf der Welt, in dem nach Vergangenem stets was Neues folgt.

Und so versuche ich in diesen Zwischentagen an jene Zeit zu denken, wenn ich mit knisterndem Feuer im Rücken und selbst gestrickten Omasocken, eingelümmelt und mit einem dicken Schmöker in der Hand, den Winter willkommen heiße und ihn liebe für seine Lichter, für seine eisig kalten aber himmelblauen Tage, für Weihnachtsmärkte und Schneeflocken.

So sind die Zwischentage nicht mehr alt aber auch noch nicht neu aber ganz gewiss ein Teil von allem.

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