Gute Gefühle gibt’s nicht gratis – It’s a Daily Business.

Ich habe mein halbes Leben in dem Irrglauben verbracht, dass der Mensch eben gute Tage und schlechte Tage hat. Dass diese Tage kommen und gehen und man selbst der passive Beobachter ist, der sich über gute freut und schlechte versucht zu überstehen. Was habe ich mich getäuscht. Wie groß war mein Irrglaube. Tatsache ist: Man kann sehr wohl schlechte Tage in gute drehen und und aus den guten für schlechte Kraft ziehen! Wie? Indem man eine neue, proaktive Lebenshaltung einnimmt und sich selbst als Gestalter des eigenen Seins versteht.

Im Wachkoma

Passiv leben bedeutet man reagiert auf seine Umwelt: Auf Geschehnisse, Anforderungen, Menschen. Man befindet sich im Grunde tagein, tagaus in einer Wartepostition um dann, wenn es notwendig ist aktiv zu werden. Eigene Bedürfnisse spielen bei dieser Art der Lebensgestaltung eine geringe bis gar keine Rolle weil alles im Außen das eigene Handeln bestimmt und nicht das Innere. Die Konsequenz ist ein Leben in permanenter Fremdbestimmung. Ein Leben, in welchem das Wort Achtsamkeit und Selbstfürsorge nicht stattfindet. Ich kenne Menschen in meinem nahen Umfeld, die ihr ganzes Leben in diesem Zustand verbracht haben und noch verbringen. Solange Job und Kindererziehung den Alltag füllen mag dieser Zustand nicht so deutlich werden, da diese Menschen objektiv ein ausgefülltes (nicht erfülltes) Leben leben. Aber die Wahrheit ist: Wenn man genau hinschaut tun sie eben das gerade nicht. Denn schöne Dinge wie Musik oder persönliche Interessen finden in deren Alltag nicht statt. Weil sie defacto gar nicht wissen welche Musik sie eigentlich mögen, welche Interessen außerhalb ihres Brötchenverdienerjobs überhaupt die ihren sind. Sie schwimmen mit dem Strom der Masse. Sie passen sich an. Sie hinterfragen nicht. Ganz deutlich wird es aber besonders dann, wenn solche Menschen in Rente gehen. Dann gibt es NICHTS und wieder NICHTS mit was sie ihre plötzlich zur Verfügung stehende, zusätzliche Zeit füllen könnten. Alles was bleibt ist eine gähnende Leere. Und im schlimmsten Fall die Depression. Kinder weg, Job erledigt und jetzt? Sie wissen es einfach nicht.

Überspitzt kann man sagen, dass diese armen Kreaturen eigentlich nur ein halbes Leben leben. Frei nach dem Motto: Das Leben will etwas von mir? Okay, ich bin stets zu Diensten. Ein Zustand, der nicht mehr ist als ein Wachkoma. Gute Gefühle kommen in deren Welt schon auch ab und an vor aber die Idee, dass wir selbst einen enorm großen EInfluss darauf haben, wie wir uns fühlen möchten, ist diesen Menschen fremd.

Auch ich habe wie oben geschrieben lange in diesem „reaktiven Modus“ gelebt. Weil ich es nicht besser wusste. Weil ich dieses Verhalten von meinen Eltern kopiert hatte. Da ich eine andere Generation bin war mein Leben zwar nicht ganz in der totalen Reaktivität wie das meiner Eltern, aber insbesondere in der Arbeitswelt habe ich exakt genauso agiert. Oder soll ich sagen funktioniert? Stets waren die Anforderungen von Außen meine Priorität Nummer 1. Brav habe ich ad hoc reagiert wenn jemand etwas von mir wollte. Fragen wie: Passt es gerade für mich? Oder ist es aus meiner Sicht besser erst später weil x,y,z jetzt wichtiger ist? Gab es nicht. Ich habe sie alle wie sie kamen am besten noch gleichzeitig „bedient“. Viele Jahre sah so mein Alltag aus. Dies hat mich dermaßen viel Energie gekostet, dass darüber hinaus nicht mehr viel übrig war. Hobbies? Sonstige Interessen? Fehlanzeige. (Ok, außer Bücher und Reisen) Ich habe viele Jahre quasi keine Musik mehr gehört außer wenn ich im Auto das Radio nebenbei laufen ließ. Mein Klavier hatte Staubschichten angesammelt und gute Gefühle im Alltag waren quasi nicht existent. Gefühle von Freiheit, Selbstbestimmung, Leichtigkeit kannte ich ausschließlich aus Urlaubszeiten. Der Alltag, ein Kampf ums Überleben. Traurig aber wahr. War es mir bewusst? Nein. Wie gesagt: Ich kannte es nicht anders. In meiner Welt gab es keine Vorstellung von einer anderen Form des Daseins.

Das große Erwachen: Proaktives Leben und gute Gefühle

Wie bei den meisten Menschen folgt das Erwachen erst nachdem einen Körper und Seele so richtig durchschüttelt. Der Zusammenbruch war auch bei mir aus heutiger Sicht vorprogrammiert aber am Ende des Tages mein Weg aus diesem reaktiven Wachkoma-Zustand. Und ja ich würde sogar sagen: Meine Rettung. Ich lerne langsam aber sicher meine Gefühlswelt positiv zu beeinflussen: Sei es mit der richtigen Musik, mit neuen Aktivitäten, die mir gut tun, mit proaktivem Handeln anstatt reaktivem. Muss ich alle eintrudelnden Mails schneller als schnell abarbeiten? Oder fokussiere ich mich heute erst einmal den gesamten Vormittag auf meine Präsentation? Oder will ich gar erstmal in Ruhe meinen Kaffee trinken um in den Tag zu starten? Vorher auch noch Yoga machen UND meditieren? Ja, Wahnsinn! Was ist da alles möglich! Und fühle ich mich danach lebendiger und freier? Yesssss! Selbstverständlich ist mir klar, dass man im alltäglichen Leben nicht ausschließlich nach persönlichem Gusto agieren kann und es Situationen gibt, die halt einfach sein müssen. Ich denke aber, dass der Unterschied nur durch die Darstellung beider Extreme so richtig deutlich wird. Und nein, es schließt natürlich negative Gefühle, die durch bestimmte Situationen hervorgerufen werden, nicht aus. Man kann zwar durch diese aktive Lebensweise gute Gefühle verstärkt im Alltag integrieren weil man sich selbst und die eigenen Bedürfnisse zur neuen Priorität macht. Man wird sich dennoch über Chefs oder Kollegen ärgern, fluchen weil man die Bahn verpasst und damit den Anschlussbus oder aber zum x-ten Mal dem Mann die Socken hinterherräumt weil er es einfach nicht auf die Kette bekommt den Wäschekorb zu nutzen. Der entscheidende Punkt ist, dass ich nun weiß, wie ich durch bestimmte Songs, kurze Meditationen oder einen Lauf um den See in der Mittagspause aktiv dafür sorgen kann, dass sich diese negative Wolke schneller wieder verzieht. Bestenfalls sehe ich sogar kurze Zeit später schon wieder die Sonne blinzeln während ich I’m easy von Faith no More auf Repeat höre und merke, dass ich heute Abend richtig Lust auf eine echte Pasta Bolo habe.

Gute Gefühle gibt es zwar nicht gratis aber wir alle sind in der Lage diese aktiv in uns zu erzeugen. Indem wir gestalten und nicht nur reagieren. Jeden einzelnen Tag aufs Neue.

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