Treibt die kühe aus dem Stall, ich komme! – Warum mich Kuhscheiße glücklich macht.

Dass ich so viel Zeit wie möglich in den Bergen verbringe habe ich bereits an anderer Stelle in dem Artikel „Gehe wandern und lass‘ los“ beschrieben. Sie erden, sie treiben mich zum Gipfel, sie bescheren mir wunderschöne Aussichten. Eines aber habe ich vergessen: Sie schenken mir den wunderbaren Duft von Kuhscheisse, der mir ein Instant-Glücksgefühl beschert wenn er meine Nase streift! Wie das kommt? Erzähle ich in diesem Text.

Sobald ich mit dem Auto nach nicht einmal einer Stunde südlich von München die ersten urbayerischen Häuser erblicke, reiße ich alle Fenster im Auto auf und lasse ihn rein: Diesen leicht strengen Duft, der mich sofort innerlich entspannt, meine Schultern lockert und mir ein Gefühl von Frieden schenkt, das ich sonst eher selten erlebe. Ich liebe Kuhscheiße und Kuhmist, habe ich das schon erwähnt? Herrlich, dieser Duft nach rauher, purer Natur. Das klingt vermutlich total irre aber es ist so.

Negativer Trigger, positiver Trigger

Es gibt im Leben eines jeden Menschen vermutlich unzählige Situationen, Menschen oder Dinge, die in einem ungute, negative Gefühle erzeugen. Diese Gefühle können sich aber unter Umständen bis hin zur nackten Angst oder Panik steigern. Für manche sind es Fahrstühle, große Plätze, Menschenmassen, die Kollegin und ihre schrille Stimme oder aber der Dackel der Nachbarin. Sie versetzen einen von einer Sekunde auf die andere in den Fight-or-Flight-Modus. Sprich, der Urmensch in uns erblickt einen Säbelzahntiger, der plötzlich aus dem Gebüsch springt. Manche erstarren zur Bewegungsunfähigkeit, andere schaffen es noch wegzurennen. Man nennt diese Situationen, Menschen oder Dinge auch Trigger. Das Gefühl, das sie in uns auslösen ist dehalb so unangenehm weil wir uns ausgeliefert und machtlos fühlen und es uns oftmals aus dem Nichts von hinten anfällt. Ihren Ursprung haben diese brutalen Panik- Ohnmachts- oder Fluchtgefühle in aller Regel in der Vergangenheit. Der Trigger löst diese alten Gefühle im Hier und Jetzt aus, ohne jeglichen Bezug zur Realität. Denn weder Fahrstühle, noch große Plätze, geschweige denn die fiese Kollegin oder der Dackel sind auch nur im Ansatz lebensbedrohlich. Ja, eigentlich sogar völlig harmlos. Das weiß der Verstand natürlich auch, das Gefühl aber leider nicht. Genau so wie es die negative Säbelzahntigerversion gibt, finden wir aber alle wenn wir die Augen offen halten etwas, das genau das Gegenteil in uns bewirkt: Einen positiven Trigger. Da man in meiner alten Heimat nicht so häufig in den Genuss von Kuhausdünstungen kommt, habe ich mein Faible hierfür erst entdeckt als ich nach München gezogen bin und anfing Bergtouren zu machen. Ich kann nur sagen: Eine Offenbarung! Bei mir kommt die positive Gefühlswelle unter Garantie von meinen Kindheitsaufenthalten auf einem Bauernhof im Allgäu. Damals war für mich die Welt noch in Ordnung. Der Kuhduft versetzt mich deshalb schlagartig gefühlt in diese Zeit zurück. Übrigens geht es mir genau so mit Flüssen. Sobald ich das Wasser rieche, bin ich glücklich! Warum? Ich habe mit meiner Familie bis ich 10 Jahre alt war fast meine gesamte Kindheit im Paddelboot bzw. Kajak verbracht. Diese Zeiten waren die glücklichsten meines (kindlichen) Lebens, was danach kam ist irrelevant aber auf jeden Fall nicht mehr glücklich. Deshalb werde ich diesen Sommer, mit 38 Jahren, das erste Mal wieder in ein Kajak steigen und wenn ich schon daran denke kribbelt es vor Vorfreude in mir und ich bin einfach happy!

Warum kacken Säbelzahntiger keine Kuscheiße?

Ich habe für mich beschlossen, dass ich keine Lust dazu habe mich in meinem Leben dem Säbelzahntiger bzw. den schlechten Gefühlen ausgeliefert zu fühlen. Und ja, vor diesem Enschluss habe auch ich meine persönlichen Trigger vermieden wo ich nur konnte. Da es sich in meinem Fall um eine Kollegin handelte, die es schaffte mich mit nur einem einzigen Satz innerlich zu zerstören bzw. mich gefühlt in meine Vergangenheit zu katapultieren, hatte ich auch keine andere Wahl als mich zu stellen. Wenn ich diesen Job weiter ausüben wollte, musste ich das tun. Mich der Angst, der Panik und allem drumherum stellen um sie zu entmachten und den Säbelzahntiger in einen Stubentiger zu verwandeln. Wie das geht? Vorbereitung ist alles sag ich nur und dann immer und immer wieder durch. Die schlimmen Gefühle aushalten und danach merken, dass gar nichts passiert. Dass ich eben nicht innerlich in Stücke zerrissen werden und auch nicht tot umfalle. Außerdem sich immer wieder bewusst machen, dass die Gefühle aus der Vergangenheit sind, sich einfach scheisse real anfühlen aber nichts, wirklich gar nichts schlimmes passieren kann. Das ist kein leichter Weg, im Gegenteil. Er ist brutal weil man sich diesem inneren Horrorszenario immer wieder aufs Neue aussetzt. So lange bis der Säbelzahntiger entmachtet ist. Das funktioniert, ich schwöre es. Ich kann mittlerweile wieder „normal“ mit ihr umgehen. Meine liebste Kollegin wird sie natürlich nie aber das muss ja nicht sein. Eine friedliche Koexistenz reicht vollkommen aus. Und warum ist die Kuhscheiße in diesem Zusammenhang so wichtig? Weil ich dadurch in der Lage bin einen Gegenpol zu schaffen und bewusst gute Gefühle in mein Leben zu integrieren. Deshalb zieht es mich auch besonders dann in die Berge, wenn ich unter der Woche emotional aus dem Gleichgewicht geraten bin. Klingt logisch oder?

Finde deine eigene Kuhscheiße

Es ist wirklich ein Gewinn für das eigene Lebensgefühl wenn man weiß wie man sich selbst gute Gefühle bescheren kann. Deshalb los, auf gehts, such dir deine eigene Kuhkacke! Aus Erfahrung kann ich auf jeden Fall schon einmal sagen, dass Pferdeäpfel nicht den gleichen Effekt erzielen als die frische Scheiße aus dem Po einer Kuh. 😉 Ich habe beim Joggen eine extra Runde am Pferdehof eingelegt aber so wirklich funktioniert hat es nicht, sonst wäre ich ab sofort täglicher Zaungast. Aber nicht weiter schlimm am Wochende gehts wieder Richtung Berge und alles ist gut!

In diesem Sinne, schalte alle Sinne auf Empfang und du wirst finden was du für dein eigenes Glücksgefühl brauchst!

Ein Kommentar zu „Treibt die kühe aus dem Stall, ich komme! – Warum mich Kuhscheiße glücklich macht.

  1. … und wenn du weißt, was dich glücklich macht, wirst du (fast automatisch) auch andere glücklich machen, denn Glück gehört zu den wenigen Dingen, die sich verdoppeln, wenn man sie teilt. In diesem Sinne frohe Pfingsten, liebe Bekki, von Martin aus Pettersson’s Schafstall

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