Zwischen den Jahren: Geschmacklich bittersüß.

Eigentlich kann man die Uhr danach stellen, weil es jedes Jahr pünktlich in den Tagen vor Neujahr passiert: Die Dualität an Gefühlen zeigt sich in ihrer vollen Pracht. Bittersüß schmecken sie. Es ist ein Mix aus Melancholie, dem Bedürfnis nach Loslassen von unliebsamen Dingen, Angewohnheiten oder auch Menschen. Aber auch die Vorfreude auf die Chance eines Neuanfangs, in Form eines neuen Jahres. Einem leeren weißen Blatt Papier, das es uns ermöglicht ein Stück Geschichte neu zu schreiben.

Wenn ich darüber reflektiere, was in diesem Jahr gut gelaufen ist, so muss ich voller Dankbarkeit und Stolz sagen: Bedürfnisse zu erkennen und auszusprechen ist essenziell und klappt besser und besser. Auch wenn es einem Ausdauerlauf gleicht und es durchaus Rückschläge gibt. Aber in Summe ist diese Fähigkeit die Basis für alles: Funktionierende Beziehungen und mentale Balance. Ich merke auch, dass das langsame Abflauen dieser über 2,5 Jahre dauernden Pandemie einem wieder ein Stück Lebendigkeit zurück gibt. Eine Lebendigkeit, die man in Unternehmungen, Reisen und Kultur findet. Kommen sie zu kurz, wie es in den letzten Jahren meist der Fall war, geht fast ein Stückchen Leben verloren. Aber das wichtigste dabei ist: Diese Lebendigkeit mit Menschen zu teilen, die man gerne hat. Und so weiß ich, dass ich nächste Jahr definitiv noch mehr Kultur, Konzerte und Im-Leben-Sein-Momente integrieren möchte, einfach weil sie das innere Pflänzchen zum Erblühen bringen. Sie nähren Geist und Seele.

Ich werde auch in 2023 treue ZEIT-Abonnentin (der Printausgabe ;-)) bleiben und meine Push-Nachrichten auf dem Handy nie mehr anstellen. Ich versichere: Das ist ein Stück gewonnene Lebensqualität! Von der allgemeinen Nachrichtenverdrossenheit vieler Menschen liest man in diesen Zeiten häufig. Dies ist angesichts der Fülle an Krisen, die auf der einen Seite immer da waren, sich aber andererseits seit wenigen Jahren so geballt anfühlen, dass man darunter fast das Gefühl hat zu ersticken. Das kollektive Ohnmachtsgefühl hat garantiert einen Höchststand erreicht. Eine (Mit-)Schuld daran haben sicherlich die Medien und ihre Clickbaiting-Mechanismen: Je schlimmer und katastropher die Headline, desto höher die Klickrate. Eigentlich hat man nur eine Wahl: Sich diesem Wahnsinn bewusst zu entziehen. Ich rede nicht von einem „Ab-Jetzt-ist-es-mir-piep-egal-was-auf-der-Welt-passiet“, sondern vom Begrenzen der Informationsflut. Anders wird man wirklich wahnsinnig.

Die Konfrontation mit der Endlichkeit der eigenen Eltern hat mich in diesem Jahr vor so einige Herauforderungen gestellt. Die Gefühle, die das an die Oberfläche katapultiert hat, waren teilweise brutal. Da geht es um derart existenzielle Fragen wie: Wäre ich bereit in Frieden loszulassen? Kann ich diese durchaus schwierige Beziehung auf ein Level bringen, mit dem alle Beteiligten okay sind, ohne, dass ich permanent darunter leide? Das sind Erfahrungen, die macht jeder Mensch in seinem Leben – mehrfach. Man weiß das, bekommt es im Umfeld mit und denkt dennoch: Ach, das hat noch Zeit. Ist der Augenblick dann gekommen, trifft es einen wie so oft wie ein Schlag, den man doch nicht hat kommen sehen. Und dennoch wird man auch daraus wieder in irgendeiner Form gestärkt und mit großem Lerneffekt hervorgehen und sagen: That`s life. Im wahrsten Sinne des Wortes.

So Freunde, es ist an der Zeit das Kapitel 2022 zu schließen, um ein neues zu öffnen. Was es wohl bringen mag? Ich hoffe zumindest mal im ersten Schritt: Die Menschheit hat etwas gelernt und verballert weniger Feuerwerkskörper in die ohnehin verpestete Luft. Das wäre immerhin mal ein Anfang. Außerdem hoffe ich dieses Jahr, dass das Ziel vom Frieden in Europa schnell in Reichweite rückt und alle wieder ein Stückchen aufatmen können. So komisch es klingt, aber dieser Konflikt schwelt irgendwie doch permanent in unseren Hinterköpfen vor sich hin, auch wenn wir nicht direkt von fliegenden Bomben betroffen sind. Es macht einfach fassungslos und lässt einen in vielen Momenten ratlos zurück. Aber nun genug an dieser Stelle, lasst uns die virtuellen Wunderkerzen zünden und für 2023 aufs Beste hoffen!

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